Sachverhalt
Die Einwohnergemeinde Bern hat gegen die
Baugenossenschaft Neue Könizstrasse Bem Betreibtmg
auf Grundpfandverwertung angehoben. AIs Pfandgegelistand nennt der Zahlungsbefehl ein selbständiges Baurecht auf gewissen, der Einwohnergemeinde gehörenden
Parzellen mit den daraufstehenden Gebäuden, welches
Baurecht die Einwohnergemeinde durch Vertrag vom
30. Juni 1920 mit Nachtrag vom 4. November 1922 der
Schuldnerin eingeräumt hat, als Forderung die für
dieses Baurecht laut dem erwähnten Vertrag zu entrichtende Grundrente für die Zeit vom 1. Mai 1922 bis
30. April 1923. Die Schuldnerin anerkennt die Forderung, bestreitet aber, dass sie grundpfandversichert sei,
und hat aus diesem Grunde gegen die zur Anwendung
gebrachte Betreibungsart Beschwerde erhoben. DurCh
Entscheid vom 21. September 1923 hat die Aufsichtsbehörde für den Kanton Bern die Beschwerde
gutgeheissen und den angefochtenen Zahlungsbefehl
aufgehoben.
B. -
Diesen ihr am 3. Oktober zugestellten Entscheid hat die Einwohnergemeinde Bern am 12. Oktober
an das Bnndesgericht weitergezogen und verlangt,
dass die eingeleitete Betrejbung als zulässig erklärt
werde. Sie gibt zu, dass weder ein Grundptandrecht
noch eine Grundlast zu ihren Gunsten im Grundbuch
Schuldbetreibungs- und Konkursrecht. N° 46.
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eingetragen sei, behauptet aber, die ihr geschuldete
Grundrente sei von Gesetzes wegen durch das Baurecht
dinglich sichergestellt. weil sie im Baurechtsvertrag mit
dem Baurecht «zu einem einzigen dinglichen Rechtsverhältnis verbunden» worden sei. Die angerufene Vertragsbestimmung lautet:
«Die Rentenverpflichtung wird inhaltlich mit dem
Baurecht zu einem einzigen dinglichen Verhältnis verbunden. Sie geht von Gesetzes wegen bei jeder Art der
Übertragung des Baurechts und Sondereigentums (Vertrag, Zwangsvollstreckung, "Enteignung, Erbgang, Aneignung, Ersitzung, richterliches Urteil usw.) auf den Erwerber über. Im Falle der Säumnis des Rentenschuldners
in der Bezahlung der Grundrente steht dem Rentengläubiger das Recht zu, auf dem Wege der Zwangsvollstreckung Befriedigung aus dem Erlöse des Baurechts
und Sondereigentums zu verlangen. »
Die Schuldbetreibungs- und Konkurskammer zieht
Volltext (verifizierbarer Originaltext)
46. Entscheid vom 16. Oktober 19!13
i. S. Einwohnergemeinde Bem.
SchKG Art. 151. Eine Betreibung auf Pfandverwertung darf
nicht stattfinden, wenn aus den eigenen Angaben des Gläubigers hervorgeht, dass für die Forderung keine der in
SchKG Art. 37 . genannten Sicherheiten besteht.
ZGB Art. 675 u: 779. Die für die Einräumung eines Baurechts
geschuldete Gegenleistung ist ohne Errichtung eines Pfandrechts oder einer Grundlast durch das als Grundstück eingetragene Baurecht nicht dinglich sichergestellt.
A. -
Die Einwohnergemeinde Bern hat gegen die
Baugenossenschaft Neue Könizstrasse Bem Betreibtmg
auf Grundpfandverwertung angehoben. AIs Pfandgegelistand nennt der Zahlungsbefehl ein selbständiges Baurecht auf gewissen, der Einwohnergemeinde gehörenden
Parzellen mit den daraufstehenden Gebäuden, welches
Baurecht die Einwohnergemeinde durch Vertrag vom
30. Juni 1920 mit Nachtrag vom 4. November 1922 der
Schuldnerin eingeräumt hat, als Forderung die für
dieses Baurecht laut dem erwähnten Vertrag zu entrichtende Grundrente für die Zeit vom 1. Mai 1922 bis
30. April 1923. Die Schuldnerin anerkennt die Forderung, bestreitet aber, dass sie grundpfandversichert sei,
und hat aus diesem Grunde gegen die zur Anwendung
gebrachte Betreibungsart Beschwerde erhoben. DurCh
Entscheid vom 21. September 1923 hat die Aufsichtsbehörde für den Kanton Bern die Beschwerde
gutgeheissen und den angefochtenen Zahlungsbefehl
aufgehoben.
B. -
Diesen ihr am 3. Oktober zugestellten Entscheid hat die Einwohnergemeinde Bern am 12. Oktober
an das Bnndesgericht weitergezogen und verlangt,
dass die eingeleitete Betrejbung als zulässig erklärt
werde. Sie gibt zu, dass weder ein Grundptandrecht
noch eine Grundlast zu ihren Gunsten im Grundbuch
Schuldbetreibungs- und Konkursrecht. N° 46.
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eingetragen sei, behauptet aber, die ihr geschuldete
Grundrente sei von Gesetzes wegen durch das Baurecht
dinglich sichergestellt. weil sie im Baurechtsvertrag mit
dem Baurecht «zu einem einzigen dinglichen Rechtsverhältnis verbunden» worden sei. Die angerufene Vertragsbestimmung lautet:
«Die Rentenverpflichtung wird inhaltlich mit dem
Baurecht zu einem einzigen dinglichen Verhältnis verbunden. Sie geht von Gesetzes wegen bei jeder Art der
Übertragung des Baurechts und Sondereigentums (Vertrag, Zwangsvollstreckung, "Enteignung, Erbgang, Aneignung, Ersitzung, richterliches Urteil usw.) auf den Erwerber über. Im Falle der Säumnis des Rentenschuldners
in der Bezahlung der Grundrente steht dem Rentengläubiger das Recht zu, auf dem Wege der Zwangsvollstreckung Befriedigung aus dem Erlöse des Baurechts
und Sondereigentums zu verlangen. »
Die Schuldbetreibungs- und Konkurskammer zieht
in Erwägung:
Vorerst ist festzustellen, inwieweit die Aufsichtsbehörden auf die von der Schuldnerin einzig aufgeworfene Frage nach dem Bestehen eines Grundpfandrechtes für die in Betreibung gesetzte Forderung überhaupt eintreten dürfen. Nach feststehender, durch
Art. 85 Abs. 1 der Verordnung über die Zwangsverwertung von Grundstücken vom 23. April 1920 stillschweigend bestätigter Ansicht hat der Schuldner, welcher das Pfandrecht bestreiten . will, Rechtsvorschlag
und nicht Beschwerde zu erheben (vgl. JÄGER zu SchKG
Art. 38 N. 11; 41 N. 4 am Ende; 69 N. 12; 151 N. 2),
weil es grundsätzlich weder dem Betreibungsamte noch
der Aufsichtsbehörde zukommt, über Bestand oder
Nichtbestand der mit der Betreibung geltend gemachten
Rechte zu entscheiden, dieser. Entscheid vielmehr dem
Zivilrichter vorbehalten ist. Dabei wird aber vorausgesetzt, dass die eigenen Angaben des Betreibenden ein
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Pfandrecht wenigstens als möglich erscheinen lassen
(vgl. JÄGER zu Art. 41 N. 2). Behauptet der Betreibende
selbst nicht, dass seine Forderung im Sinne von SchKG
~rt. 151 pfand versichert sei, d. h. dass dafür eine der
In Art,. 37 genannten Sicherheiten bestehe, oder folgt
aus semen tatsächlichen Vorbringen auf Grund des
Gesetzes ohne weiteres das Gegenteil, so steht für Betreib~mgsamt und Aufsichtsbehörde fest, dass eine gesetzhche Voraussetzung für die Betreibung auf Pfandverwertung mangelt, und darf daher eine solche Betreibung nicht stattfinden.
Und so verhält es sich im vorliegenden Fall. Die Re-
k~rrentin gibt selbst zu, dass zu ihren Gunsten weder
eIn Grundpfandrecht noch eine Grundlast im Grund-
b:lch eing~tragen ist, und da sie sich ebensowenig auf
eIn gesetzlIches Pfandrecht oder eine öffentlichrechtliche
Grundlast, die der Eintragung nicht bedürften (ZGB
~. 8~6 und. 784), berufen kann, ist irgendwelche grundpfandhche SIcherstellung ihrer Forderung im Sinne von
SchKG Art. 37 Abs. 1 nicht vorhanden.
. Die ~ekurrentin behauptet nun freilich, eine «dinghche Slcherheit l) dadurch erlangt zu haben, dass im
B~urechtsveltrag
(I die
Rentenv~rpflichtung inhaltlich
n~~t ~em Baurecht zu einem einzigen dinglichen Ver-
~ltm~ verbunden» und dem Rentenglaubiger das Recht
eIngeraumt worden ist,
I(im Falle der Säumnis des
Rentenschuldners in der Bezahlung der Grundrente
auf dem Wege der Zwangsvollstreckung Befriediguna
aus dem Erlöse des Baurechts und Sondereigentums z~
verlan~en ll. Allein es ist nicht ersichtlich, wie diese
Befug~s zum Bestandteil des Baurechts gemacht werden konnte. Das Baurecht ist nach dem Zivilgesetzbuch (Art. 675 und 779) eine einfache Dienstbarkeit
zu ~asten eines Grundst.ücks. Allerdings kann es unter
bestimmten Voraussetzungen als « Grundstück D in das
Grundbuch ~ingetragen werden, das ändert jedoch an
seiner rechthchen Natur im Verhältnis zum belasteten
Schuldbetreibungs- und Konkul'srecht. N° 46.
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Grundstück nichts. Als Dienstbarkeit aber begründet
es immer nur ein dingliches Recht seines Trägers am belasteten Grundstück, niemals ein dingliches Recht des
Eigent.ümers des belasteten Grundstü.cks; für diesen
tritt es ausschliesslich als Last in die Erscheinung.
Durch den Vertrag, welcher für die Einräumung des
Baurechts eine Gegenleistung festsetzt, entsteht bloss ein
obligatorischer Anspruch auf diese Gegenleistung, eine
Forderung. Die Eintragung des Baurechts als Grundstück eröffnet die Möglichkeit, daran ein Pfandrecht
tür diese Forderung zu bestellen oder, soweit dies nach
ZGB Art. 782 Abs. 3 zulässig erscheint, die persönliche
Schuld des Bauberechtigten als Grundlast daraufzulegen. Aber von Gesetzes wegen besteht ein solches
Pfandrecht oder eine solche Grundlast nicht, sondern sie
müssen von den Parteien vereinbart und in der vom Gesetz für vertragliche Grundpfandrechte und privatrechtliche Grundlasten vorgeschriebenen Weise, d. b. durch
Eintragung im Grundbuch begründet werden •
Im übrigen ist gegenüber den gutachtlichen Äusserungen von Prof. Eugen Huber, welche die Rekurrentin
für ihren Standpunkt anführt, daran festzuhalten, dass
es keine andern ((dinglichen Sicherheiten » gibt, welche
zu einer Grundpfandbetreibung berechtigen, als die in
SchKG Art. 37 Abs. 1 genannten, von denen hier nur
die Grundpfandverschreibung, der Schuldbrief, die Gült,
die Grundlast und die (unter den « Vorzugsrechten » begriffenen) der Eintragung nicht bedürfenden gesetzlichen Pfandrechte an Grundstücken in Frage kommen
können. Da der Rekurrentin, ihren eigenen Angaben zufolge, kein dingliches Recht solcher Art zusteht, ist sie
nicht in der Lage, auf Grundpfandverwertung zu betreiben, und die von ihr eingeleitete Betreibung muss
deshalb aufgehoben werden~
Demnach erkennt die Sclwldbetr.- und KQnkurskammer:
Der Rekurs wird abgewiesen.