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Obligationenreeht.N° 69.
Gründe, die eine Abweichung von der allgemeinen Regel
rechtfertigen würden. Gerade im Hinblick auf die Ver-
sicherungsgesellschaften wurde die Bestimmung des
Art. 51 in erster Linie in das Gesetz aufgenommen. Es
erschien als unbillig, dass diese den Schaden auf tx lege
haftende Personen sollten abwälzen können, während sie
doch die Schadensmöglichkeiten in ihre Prämien ein-
kalkulieren; und sich auf diese Weise bis zu einem ge-
wissen Grade zum voraus für künftige Schäden bezahlt
machen können.
Demnach erkennt das Bundesgericht :
Die Klage wird abgewiesen.
69. TIrteil der I. Zivilabteilung Tom 3. Oktober 1921
i. S. Pärli &, Oie gegen Keyer-Wlttig.
Vertragsübernahme : \Vesen und Voraussetzungen. Beweislast.
A. -
Unterm 12. Febru!lr 1917 bestellte die Kom-
manditgesellschaft E. Meyer & Oe, Stock- und Pfeifen-
fabrik in Laufen bei der Klägerin 100,000 Stück eiserne
Stockspitzen zum Preise von 85 Fr. das Tausend, 20,000
Stück sofort lieferbar, der Rest auf Abruf. In Ausführung
dieser Bestellung machte die KJägerin i.n der Folge meh-
rere Teillieferungen.
Im Juni 1917 gab die Schweiz. Pfeifen- und Stock-
fabrik Laufen A.-G. durch ein gedrucktes Zirkular be-
kannt, dass sie auf 1. Mai 1917 den Betrieb der Pfeifen-
und Stockfabrik E. Meyer & Oe in Laufen übernommen
habe. Ein entsprechendes Rundschreiben erliess auch
die Firma E. Meyer & Oe, in welchem sie bemerl}te,
dass ihre Firma zufolge dieser Uebernahme in Liquida-
tion getreten sei. Gestützt hierauf fakturierte die Klä-
gerin am 18. Juli 1917 eine TeiHieferung von 20,500
Obllgationenrecht. NI) 69.
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Stockspitzen der neuen A.-G. Schweiz. Pfeifen- und
Stockfabrik, worauf ihr diese mit Schreiben vorn 21. Juli
1917 ihr Erstaunen über die ohne Abruf erfolgte Sendung
ausdrückte und gleichzeitig mitteilte, dass sie ihr ins-
künftig ohne vorgängige Verständigung gelieferte Ware
zur Verfügung stellen werde. Unterzeichnet war die Zu-
schrift vom Direktor der A.-G., E. Meyer-Wittig, dem
unbeschränkt haftenden Teilhaber der Firma E. Meyer
& Cie in Liquidation. Mit Antwort vom 25. Juli 1917
rechtfertigte sich die Klägerin durch Berufung auf eine
mit einem gewissen Roman gehabte Besprechung, worauf
ih,r die A.-G. unterm 26. Juli 1917 neuerdings erklärte :
« ohne unser Einverständnis nehmen wir keine Sendung
mehr an. » Auch dieser Brief war von Direktor Meyer-
Wittig unterzeichnet.
Am 4. Oktober 1917 sodann schrieb die A.-G. als Ant-
wort auf einen nicht bei den Akten liegenden Brief der
Klägerin vom 29. September 1917, dass sie die Fabrik-
liegenschaften nicht wie ursprünglich vorgesehen zu Ei-
gentum, sondern nur pachtweise übernommen habe. Die
Firma E. Meyer & Cie in Liquidation bestehe rechtsgültig
weiter. Die A.-G. habe sich nur freiwillig anerboten, die
Bezahlung zu übernehmen; dies könne sie aber nur tun,
sofern ihr auf friedlichem Wege eine Verständigung mit
der Klägerin gelinge; andernfalls müsste sich diese an
die Firma E. Meyer & Oe in Liquidation halten. Ein
Recht, die A.-G. zu betreiben, stehe der Klägerin nicht zu,
da ihr die A.-G., wie schon öfters betont, nichts schulde.
Unterzeichnet war dieses Schreiben von den Prokuristen
Weber und Meyer.
Am 14. November 1919 stellte die Klägerin der A.-G.
Rechnung für eine weitere Lieferung von 21,056 Stück
Stockspitzen im Betrage von 1966 Fr. 20 Cts. Mit VOll
Direktor Meyer-Wittig unterzeichnetem Schreiben vorn
17. November 1919 machte sie aber die A.-G. darauf
aufmerksam, dass sie sich nur für ·ein kleines Kistchen
Ware bezugsbereit erklärt habe; mehr werde sie nicht
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Obligationenrecht. N° 69.
abnehmen. Daraufhin gelangte die Klägerin am 19. No-
vember 1919 an Meyer-Wittig als Direktor der A.-G.
persönlich und verlangte Abnahme der in Erfüllung des
mit ihm abgeschlossenen Vertrages gelieferten Ware;
für den Unterlassungsfall drohte sie ihm mit rechtlichen
Schritten. Mit Zuschrift vom 19. Februar 1920 teilte ihr
die A.-G. mit, dass sie den Fakturabetrag von 1966 Fr.
20 Cts. im Laufe des Monats Februar nicht bezahlen
könne, dagegen gewillt sei, einen Eigenwechsel. per
31. März 1920 auszustellen; sie sei auch bereit, den
Rest der Ware abzunehmen, obwohl sie hiefür noch
keine Verwe.ndung habe. Die Klägerin erklärte sich
hiemit am 21. Februar 1920 einverstanden ..
Mit Schreiben vom 17. November 1920 bestritt die
A.-G. in der Folge llochmals die Rechtspflicht zur Ab-
nahme der Ware und fügte wörtlich bei : « Wir verweigern
somit jede Zahlung an Sie und würden eine eventuelle
Sendung von Stacheln Ihnen zur Verfügung stellen.»
Im Dezember 1920 vereinigte sich die A.-G. Pfeifen-
und Stockfabrik Laufen mit zwei andern Firmen zur
Brunner-Pfeifenfabriken A.-G. in Laufen.
B. -
Mit der vorliegenden Klage belangte die Klägeriu
E. Meyer-Wittig als unbeschränkt haftenden Teilhaber
der KommanditgesellschaftE. Meyer & Oe auf Abnahme·
von 25,228 Stück Stockspitzen und Bezahlung eines Be-
trages von 2346 Fr. 20 Cts., nebst 5%% Zins seit 9. De-
zember 1920, eventuell Bezahlung einer richterlich fest-
zusetzenden Summe nebst 5 % % Zins seit einem richter-
lich zu bestimmenden Zeitpunkt.
Der Beklagte beantragte Abweisung der Klage im
wesentlichen mit der Begründung, dass die unterm
29. August 1917 ins Handelsregister von Laufen einge-
tragene Schweiz. Pfeifen- und Stockfabrik A.-G. mit
Uebernahme der Kommanditgesellschaft E. Meyer & Oe
in Aktiven und Passiven auch deren Verpflichtungen der
Klägerin gegenüber übernommen habe; jedenfalls aber
habe sie durch ihr Verhalten den am 12. Februar 1917
OblIgatIonenrecht. N· 69.
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von der Firma E. Meyer & Oe abgeschlossenen Ver-
trag im Einverständnis mit der Klägerin übernommen.
C. - Mit Urteil vom 24. Mai 1921 hat der Appellations-
hof des Kantons Bern die Klage abgewiesen. In der Be-
gründung wird ausgeführt, dass es sich nicht um eine Ge-
schäftsübernahme mit Aktiven und Passiven durch die
A.-G. Schweiz. Pfeifen- und Stockfabrik Laufen handeln
könne. da die nach Art. 181 OR erforderliche Publika-
tion unterblieben sei. Dagegen liege eine durch konklu-
dente Handlung erfolgte Einzelschuldübernahme vor,
durch welche die frühere Schuldnerin, E. Meyer & Oe,
von ihren Vertrags pflichten befreit worden sei; denn
durch die gewechselte Korrespondenz habe die lleu-
gegründete A.-G. deutlich zu erkennen gegeben, dass
sie als Rechtsnachfolgerin der Genannten den Vertrag
erfüllen wolle, und die Klägerin habe sich damit ein-
verstanden erklärt, indem sie mit der A.-G. über weitere
Bezüge unterhandelt, an dieselbe geliefert und von ihr
Zahlung entgegengenommen habe, wie sich aus den
Schreiben vom 21., 25. und 26. Juli 1917 und 10. und
17. November 1919 ergebe. In der Zuschrift der A.-G.
an die Klägerin vom 4. Oktober 1917 werde allerdings
der Standpunkt einer unverbindlichen Zahlungs über-
nahme vertreten. Allein eine solche könne nicht als
der wirklichen Parteimeinung entsprechend angenommen
werden. Um nicht als Schuldnerin zu gelten, hätte die
A.-G. die erste auf ihren Namen ausgestellte Faktur
vom 18. Juli 1917 zurückweisen müssen; sie habe dieselbe
aber am 21. Juli 1917 entgegengenommen und in der
Folge bezahlt. Darin liege eine stillschweigende Aner-
kennung ihrer Schuldnereigenschaft: Ebenso habe sie
die Sendung vom 14. November 1919 angenommen und
bezahlt, und gerade durch ihre Bemängelung der Ware
im Briefe vom 9. Dezember 1919 bewiesen, dass sie
sich als Rechtsnachfolgerin der Firma E. Meyer & Oe
betrachte. Dass auch die Klägerin diese Auffassung ge-
teilt habe, gehe aus ihrem Schreiben vom 19. November
AS 47 II -
1921
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Obligationenrecü •• Nt> 69.
1919 hervor, worin sie der A.-G. mit rechtlichen Schritten
-wegert Nichteinhaltung ihrer Verbindlichkeiten drohte.
sm\de aus ihrer Zuschrift vom 21. Februar 1920, worin
sie schrieb: {(Wir notieren uns Ihr Versprechen, die
Restanz Spitzen in zwei Malen Mitte April und anfangs
J uni beziehen zu wollen. »
D. -
Gegen dieses Urteil hat die Klägerin die Be-
rufung an das Bundesgericht erklärt mit dem Antrag
auf Gutheissung der Klagebegehren.
E. -
Der Beklagte hat Abweisung der Berufung und
Bestätigung des angefochtenen Urteils beantragt.
Das BundesgeJ'icllt zieht in Erwägung:
1. -
In Uebereinstimmung mit der Vorsintanz ist
davon auszugehen, dass eine Uebernahme des Geschäftes
der Firma E. Meyer & Oe mit Aktiven und Passiven
durch die Schweiz. Pfeifen- und Stockfabrik A.-G. im
Sinne von Art. 181 OR nicht erfolgt ist; es kann dies-
bezüglich auf die zutreffenden Ausführungen im ange-
fochtenen Urteil verwiesen werden.
2. -
Zu Unrecht hat sich aber die \rorinstanz bei
Prüfung der Frage, ob die A.-G. anderweitig aus dem
im Streite liegenden Vertrage vom 12. Februar 1917 ver-
pflichtet worden sei, darauf beschränkt, zu untersuchen
ob eine Schuldübernahme im Sinne von Art. 175 ff.
OR vorliege. Denn, wenngleich die Verpflichtungen des
Käufers gegenüber dem Verkäufer Gegenstand einer
Schuldübernahme sein können, so gilt dasselbe doch
nicht auch von dem ganzen obligatorischen Verhältnis
des Käufers zum Verkäufer; denn dieses schliesst, dem
Wesen des Kaufvertrages als eines zweiseitigen Vertrages
entsprechend, stets auch Rechte des Käufers in sich, die
kraft einer Schuldübernahme dem Dritten -
vorliegepd
der A.-G. -
nicht zustehen würden. Entscheidend ist
daher, ob die A.-G. in die durch Vertrag begründete
Rechtsstellullg des Beklagten in ihrer Gesamtheit, Rechte
Obllgationemecht. N° 69.
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und Pflichten umfassend. eingetreten und damit zur
Vertragspartei geworden sei.
Dieser Eintritt eines Dritten in ein zweiseitiges Rechts-
verhältnis an Stelle des einen Vertragsteils kann nun
nur erfolgen unter der Voraussetzung, dass der andere
Vertragsteil sich hiemit einverstanden erklärt. Danach
trifft daher den Beklagten, der behauptet, an den er-
wähnten Vertrag nicht mehr gebunden· zu sein, die Be-
wcislast einmal für den Abschluss eines Vertrages zwischen
der A.-G. und der Firma E. Meyer & Oe, wonach diese
aus dem Vertragsverhältnis entlassen und durch erstere
fi.b Vertragspartei ersetzt worden ist, und weiter für den
Abschluss eines Vertrages zwischen der Klägerin und der
A.-G., wonach die letztere sich als Vertragspartei aner-
boten und von der Klägerin angenommen worden ist.
a) IrgendwelcheBeweise nun für eine Vereinbarung auf
Vertragsübernahme zwischen der A.-G. und der Firma
E. Meyer & Oe liegen nicht vor. Weder wurden bezüg-
liche Aktenstücke ins Recht gelegt, noch ist Zeugenbe-
weis beantragt worden. Es kann sich daher nur fragen.
ob eine solche aus der zwischen der Klägerin und der A.-G.
gewechselten Korrespondenz oder dem Verhalten der
A.-G. zu folgern sei. Auch dies ist zu verneinen, ganz ab-
gesehen davon, d3ss es an sich gewagt erscheinen müsste,
aus dem Verhalten dieser beiden allein auf ein Abkommen
zwischen einer derselben mit einem Dritten (der Firma
E. Meyer & oe) zu schliessen. Nach Erhalt der beiden
Zirkulare vom Juni 1917, worin der Uebergang des Be-
triebes der Firma E. Meyer & Oe an die neu gegründete
A.-G. mitgeteilt und gleichzeitig der unbeschränkt haf-
tende Teilhaber der Kommanditgesellschaft Meyer-
Wittig als Direktor der A.-G. mit Einzelunterschrift
vorgestellt wurde, hat die Klägerin die Lieferungen aller-
dings an die A.-G. adressiert, die sie entgegennahm und
bezahlte. Allein hiebei ist festzustellen, dass die Korres-
pondenz zunächst ausschliesslich vom Beklagten selbst
ausging und ihr daher angesichts dessen DoppelsteIlung
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ObUgatlonenrecht. N- 69.
von vorneherein nicht volle Beweiskraft zukommen kann.
Eine ausdrückliche Erklärung, dass die A.-G. in den Ver-
trag eingetreten sei, findet sich in der Korrespondenz
nicht; ihr Inhalt lässt sich daher ebensogut mit der
Auffassung verbinden, dass die A.-G. nur freiwillig, ohne
Anerkennung einer Rechtspflicht zur Annahme und Be-
zahlung der Sendungen bereit war. Hiefür spricht denn
auch überzeugend der Umstand, dass im ersten von an-
dern Vertretern der A.-G. unterzeichneten Schreiben
vom 4. Oktober 1917 ausdrücklich darauf verwiesen wird,
die A.-G. habe gegenüber der Klägerin keine rechtlichen
Verpflichtungen, schulde ihr nichts, sie nehme die 'Vare
nur freiwillig an, wenn sie sich mit der Lieferantin ver-
ständigen könne, andernfalls möge sich diese an die
rechtsgilltig weiterbestehende Firma E. Meyer & Oe
in Liquidation halten. Diese Auffassung ist vom Be-
klagten, der vom Inhalt der Zuschrift ohne Zweifel
Kenntnis haben musste, da die Sache auch den Verwal-
tungsrat beschäftigte, in der Folge, soweit die Akten
Aufschluss geben, nie als unrichtig bezeichnet worden.
Jedenfalls aber hat die A.-G. den in diesem Schreiben
vertretenen Standpunkt späterhin weder ausdrücklich
noch stillschweigend aufgegeben. Ein. Abweichen von
ihrer Stellungnahme ist weder in ihrem Schreiben vom
19. Februar 1920. worin sie sich bereit erklärte, die
restanzlichen Spitzen abzunehmen, noch in der tatsäch-
lich erfolgten Abnahme z~ erblicken. Denn die Annahme
der Ware hat die A.-G. mit Ausnahme im Schreiben vom
17. November 1920 nie unter allen Umständen abgelehnt,
sondern nur die rechtliche Abnahmepflicht bestritten.
Bei dieser Sachlage ist daher die Vereinbarung einer
Vertragsübernahme zwischen der Firma E. Meyer & Oe
und der neugegründeten A.-G. Schweiz. Pfeifen- und
Stockfabrik Laufen nicht als erwiesen anzunehmen ..
b) Aber auch den Nachweis eines Vertragsschlusses
zwischen der Klägerin und der A.-G. hat der Beklagte
nicht erbracht; denn nach der Aktenlage hat die an-
.ObU ..
tion~t. N-6~
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gebliche Uebernehmerin der Klägerin nie eine Mit-
teilung über ein internes Abkommen mit der Firma
E. Meyer & Oe gemacht oder eine Offerte auf Eintritt
in das Vertragsverhältnis gestellt. Die Frage, ob dabei
diese Uebernahmeofferte auch durch konkludente Hand-
lung erfolgen konnte, kann auf sich beruhen bleiben, da
jedenfalls ein konkludentes Handeln in bestimmter,
unzweideutiger Weise den Willen der Parteien, für den
ursprünglichen Vertragsteil in das Rechtsverhältnis ein-
zutreten, und die neue Vertragspartei unter Entlassung
der alten anzunehmen, zum Ausdruck bringen müsste.
Djes trifft aber vorliegend, wie erwähnt, nicht zu. Nicht
nur hat die A.-G. eine vertragliche Bindung nicht aner-
kannt, sondern sie schon im Oktober 1917 ausdrücklich
bestritten und erklärt, die Ware nur aus freien Stücken
bei, gegenseitiger Verständigung abnehmen zu wollen.
Mangels einer Offerte seitens der A.-G. kann daher von
einem Eintritt derselben in das Vertragsverhältnis. auch
wenn die Klägerin damit einverstanden gewesen wäre,
wofür in der Tat die Akten sprechen, keine Rede sein;
umsoweniger lässt denn auch die Tatsache, dass die Klä-
gerin an die A.-G., deren Direktor der Beklagte war,
weiterlieferte, den Schluss zu, sie hätte die Firma E.Meyer
& Oe aus dem Vertrage entlassen.
'Sind somit die Voraussetzungen einer Vertragsüber-
nahme durch die A.-G. Schweiz. Pfeifen- und Stockfabrik
Laufen nicht erfüllt, so folgt hieraus für den Beklagten
als unbeschränkt haftenden Teilhaber der unterm 29. Ok-
tober 1918 im Handelsregister gelöschten Kommandit-
gesellschaft E. Meyer & Oe die Verpflichtung zur Er-
füllung des am 12. Februar 1917 abgeschlossenen Ver-
trages.
~
3. -
Was. die Höhe der geltend gemachten Forderung
anbetrifft, ist davon auszugehen, dass der Preis vertrag-
lich auf 85 Fr. pro 1000 Stück Stockspitzen festgesetzt
wurde. Unter Berufung auf die Tatsache, dass die A.-G.
den ihr mit Faktur vom 14. November 1919 auf 93 Fr.
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. OblIgationenrecht. NI> 69.
erhöhten Preis anerkannt und bezahlt habe, verlangt
die Klägerin nun auch 93 Fr. pro 1000 Stück. Der Beklagte
hat diese Preiserhöhung eventuell mit Recht bestritten.
Denn abgesehen davon, dass die Anerkennung des er-
höhten Preises seitens der A.-G. den heutigen Beklagten
als Dritten nicht bindet, bezieht sich die mit Schreiben
vom 19. November 1919 begründete Preiserhöhung
in Gestalt eines Zuschlages von 6 % Verzugszinsen nur
auf die damals in Frage stehende Lieferung von 21,056
Stockspitzen. Ueber ihre Schadloshaltung für die ibr
aus der Abnahmeverzögerung hinsichtlich der noch aus-
stehenden Vertragsware erwachsenden Nachteile spricht
sich die Klägerin in diesem Schreiben nicht. aus; es ist
daher auf den ursprünglichen Preis von 85 Fr. pro 1000
abzustellen. Dass noch 25,228 Stück zu beziehen sind,
ist nicht bestritteri, und es ergibt sich demgemäss als
Kaufpreisrestanz ein Betrag von 2144 Fr. 38 Cts., wie
ihn die Klägerin eventuell geltend machte. Dabei sind
selbstverständlich dem Beklagten alle mit der Vertrags-
erfüllung seitens der Klägerin zusammenhängenden
Einreden gewahrt.
. Als Abrufsfrist erscheint die Zeit bis 19. November
1919 reichlich bemessen, und sind daher von diesem
Tage an Verzugszinsen zu ·dem verlangten Ansatz von
5 % % zu berechnen.
Demnach erkennt das Bundesgericht :
Die Berufung wird begründet erklärt, das Urteil des
Appellationshofes des Kantons Bern vom 24. Mai 1921
aufgehoben, und die Klage dahin gutgeheissen, dass der
Beklagte verpflichtet wird, 25,228 Stück Stockspitzen
abzunehmen und an die Klägerin 2144 Fr. 38 Cts., nebst
5 % % Zins seit 19. November 1919 zu bezahlen.
Obllgatlonenreeht. NI> 70.
70. trrteU der 11. Zivila.bteilung vom G. Oktober 1991
i. S. Duba.oh gegen Altorfer und. Genossen.
Art. 56 ff. OG. Augenschein und Expertise in der Berufungs-
instanz. -
Haftung für Unfall bei einer Dreschmaschine
aus Werkschaden gemäss Art.58 OR und aus Verschulden
gemäss Art. 41 ff. Haftung des Dienstherrn gemäss Art. 339
OR wegen Verwendung eiues Knaben an gefährlicher Stelle'
auf einer Dreschmaschine. Solidare Haftung gemäss Art. 51
OR.
A. -
Der im Jahre 1904 geborene Kläger Martin
Dllbach war im landwirtschaftlichen Betriebe des Be-
klagten Altorfer angestellt und leistete daselbst am
20. Oktober 1919 beim Dreschen Aushilfe. Das Dreschen
erfolgte dabei auf einer mit elektrischem Motor be-
triebenen Maschine, die dem mitbeklagten landWirt-
schaftlichen Verein Winkel-Rüti gehörte, der damit
bei den Landwirten gegen Stundenlohn zu dreschen
pflegte. Am genannten Tage bedienten die heiden
Angestellten des Vereins, die Beklagten Albert Kern
und Heinrich Meier, die Maschine, und zwar besorgte
Kern den vor der Tenne aufgestellten Motor, und Meier
hatte die Garben in die Maschine, die in der Tenne auf-
gestellt war, zu verbringen. Die Hilfsgeschäfte wurden
vom Beklagten Altorfer, seinem Sohne und seinen An-
gestellten verrichtet, und zwar fand dabei der Kläger
in der Weise Verwendung, dass er am Vormittag auf
dem Tische der Maschine, einem schräg vor der Ein-
lassöffnung abfallenden Brett, die aufgelösten Garben
auszubreiten und dem ebenfalls auf der Maschine stehen-.
den Drescher zuzuschieben hatte, der sie durch die
Einwurföffnung, einem nach vorn mit einem Schutz-
mantel gedeckten, nach hintenj (gegen den Tisch zu)
aber offenen Schlitz, dem innern Getriebe der Maschine
zuführte. Als gegen Mittag das Dreschen der Garben
beendet war und die Maschine stillestand, wurden.
während die übrigen Arbeiter etwas ausruhten, von