Sachverhalt
Am 28. Februar eröffnete das Konkursgericht von Davos fluf Begehren eines Gläubigers den Konkurs über den Rekurrenten J. Bösch, Eigentümer des Hotels Rhätischer Hof in Davos-Platz. Dieser erklärte am
6. März die Berufung an den Bezirksgerichtsau~sehuss Oberlandquart und reichte für den Fall der Abweisung
60 Entscheidungen der Schuldbetreibungs- am 17. März das Gesuch um Bewilligung der Nachlass- stundung und Eröffnung des Pfandnachlassverfahrens unter Beilage eines Nachlassvertragsentwurfes ein. B. - Der Bezirksgerichtsausschuss Oberlandquart hat am 4. April sowohl die Berufung gegen die Konkurs- eröffnung als auch das Gesuch um Gewährung einer Nachlasstundung und Eröffnung des Pfandnachlass- verfahrens abgewiesen, letzteres mit folgender Begrün- dung: Die Eröffnung des Pfandnachlassverfahrens sei nach Eröffnung des Konkurses nicht mehr zulässig; auch müsste der Nachlassvertragsentwurf gemäss Art. 317 SchKG zunächst von der Konkursverwaltung be- gutachtet und zudem könnte er so, wie vorgelegt, nicht gerichtlich bestätigt werden; endlich treffe den Rekur- renten ein erhebliches Selbstverschulden an seiner Zah- lungsunfähigkeit. C. - Gegen diesen Entscheid hat Bösch am 8. April den Rekurs an das Bundesgericht eingelegt mit dem Antrage auf Gewährung einer Nachlasstundung und Eröffnung des Pfandnachlassverfahrens. Die Schuldbelreibungs- und Konkurskammer zieht
Erwägungen (2 Absätze)
E. 1 Wie das Bundesgericht bereits ausgesprochen hat, ist nach Eröffnung des Konkurses die Gewährung einer Nachlasstundung unzulässig, und zwar auch solange die Frist zur Berufung gegen das Konkurseröffnungs- erkenntnis noch nicht abgelaufen ist (BGE 30 I S. 849 ff Erw. 2, Sep.-Ausg. 7 S. 419 ff. Erw. 2). Mit Recht hat daher die Vorinstanz das Gesuch des Rekurrenten insoweit abgewiesen, als es auf die Gewährung einer Nachlasstundung abzielte. Auch wenn es übrigens einem Schuldner, über den das Konkursgericht erster Instanz den Konkurs eröffnet hat, gelingen sollte, eine Nachlasstundung zu erwirken, so vermöchte dieser Umstand doch nicht zur Gutheissung seiner Berufung gegen das Konkurseröffnungserkenntnis zu führen. Denn und Konkurskammer. N° 17. 61 die Wirkung der Nachlasstundung besteht gemäss Art. 297 SchKG nur darin, dass Betreibungen gegen den Schuldner nicht mehr anJehoben und die bereits angehobenen nicht mehr fortgesetzt werden können; dagegen dürfen die bereits vorgenommenen Betrei- bungshandlungen nicht gestützt auf eine seither bewil- ligte Nachlasstundung nachträglich wieder rückgängig gemacht werden.
E. 2 Muss es sonach bei der Eröffnung des Konkurses über den Rekurrenten jedenfalls sein Bewenden haben, so erscheint die Einleitung des Pfandnachlassverfahrens d~swegen doch nicht von vorneherein ausgeschlossen, weil es gemäss Art. 2 Abs. 2 HPfNV einen Bestandteil des allgemeinen Nachlassvertragsverfahrens bildet, der Abschluss eines Nachlassvertrages während des Kon- kurses aber durch Art. 317 SchKG ausdrücklich vor- gesehen wird. Auch lässt sich der Zweck, den es erfüllen soll, nach der Konkurseröffnung noch ebenso wohl erreichen wie vorher. Dagegen ergibt eine nähere Prü- fung, dass die Ordnung des Pfandnachlassverfahrens, wie sie in der HPfNV niedergelegt ist. für den Fall, dass über den Gesuchsteller bereits der Konkurs er- öffnet ist. nicht ausreicht, es vielmehr hiefür einer be- sonderen Ordnung bedarf. So kann z. B. nicht wohl angenommen werden, dass die Wohltat des Pfandnach- lassverfahrens nur demjenigen Gemeinschuldner zur Ver- fügung stehen soll, der den für das Verfahren, insbeson- dere die Schätzung zu leistenden Kostenvorschuss mit fremder Hilfe aufzutreiben vermag; doch kann ander- seits von seiner Entnahme aus der Konkursmasse ohne gesetzliche Ermächtigung nicht die Rede sein. Ferner darf es wegen der langen Dauer, welche das Pfandnach- lassverfahren in Anspruch nimmt, dem Gemeinschuld- ner nicht freigestellt sein, dessen Einleitung erst in einem fortgeschrittenen Stadium des Konkursverfahrens zu beantragen; vielmehr erheischen die Interessen der Gläubiger die Bestimmung eines Zeitpunktes in einem
62 Entscheidungen der Schuldbetreibungs. frühen Stadium des Konkursverfahrens, nach welchem der Gemeinschuldner mit dem Gesuch um Einleitung des Pfandnachlassverfahrens ausgeschlossen sein muss. Endlich geht es offenbar auch nicht an, das Konkurs- amt als solches, sofern ihm die Konkursverwaltung übertragen· ist, mit den Funktionen des Sachwalters im Pfandnachlassverfahren zu betrauen, da sich dessen Tätigkeit mit dem Abschluss des Nachlassvertrages bezw. dem Schluss des Konkurses nicht erschöpft, er vielmehr den Nachlassvertrag selbst zu vollziehen hat. Die danach für die sachgemässe Durchführung des Pfandnachlassverfahrens während des Konkurses un- erlässlichen Verfahrensvorschriften im Wege der Recht- sprechung aufzustellen, darf der Richter nicht für sich in Anspruch nehmen.· Alsdann aber erweist sich die Durchführung des Pfandnachlassverfahrens erst nach erfolgter Konkurseröffnung, obwohl sie de lege terenda wünschbar erscheint, auf Grund der Ausgestaltung, di~ es durch die HPfNV erfahren hat, in der Tat als nicht angängig und ist der angefochtene Entscheid schon aus diesem Grunde zu bestätigen. Somit braucht nicht geprüft zu werden, ob die Nachlassbehörde das Gesuch des Rekurrenten a limine abweisen durfte, weil ihm der beigelegte Nachlassvertrag zur Beanstandung An- lass gab, sowie ob sie die Eröffnung des Pfandnachlass- verfahrens wegen Selbstver~chuldens des Rekurrenten an seiner Zahlungsunfähigkeit verweigern durfte, ohne in dieser Beziehung irgendwelche tatsächlichen Fest- stellungen zu machen. Demnach erkennt die Schuldbetr.- und Konkurskammer : Der·Rekurs wird abgewiesen. unu Konkurskammer. N° 18. 63
Volltext (verifizierbarer Originaltext)
17. Entscheid 'V'Om G. Kai 19!31 i. S. Bösch. HPfNV Art. 31: Nach Eröffnung des Konkurses ist die Er- öffnung des Pfandnachlassverfahrens nicht mehr zulässig. A. - Am 28. Februar eröffnete das Konkursgericht von Davos fluf Begehren eines Gläubigers den Konkurs über den Rekurrenten J. Bösch, Eigentümer des Hotels Rhätischer Hof in Davos-Platz. Dieser erklärte am
6. März die Berufung an den Bezirksgerichtsau~sehuss Oberlandquart und reichte für den Fall der Abweisung
60 Entscheidungen der Schuldbetreibungs- am 17. März das Gesuch um Bewilligung der Nachlass- stundung und Eröffnung des Pfandnachlassverfahrens unter Beilage eines Nachlassvertragsentwurfes ein. B. - Der Bezirksgerichtsausschuss Oberlandquart hat am 4. April sowohl die Berufung gegen die Konkurs- eröffnung als auch das Gesuch um Gewährung einer Nachlasstundung und Eröffnung des Pfandnachlass- verfahrens abgewiesen, letzteres mit folgender Begrün- dung: Die Eröffnung des Pfandnachlassverfahrens sei nach Eröffnung des Konkurses nicht mehr zulässig; auch müsste der Nachlassvertragsentwurf gemäss Art. 317 SchKG zunächst von der Konkursverwaltung be- gutachtet und zudem könnte er so, wie vorgelegt, nicht gerichtlich bestätigt werden; endlich treffe den Rekur- renten ein erhebliches Selbstverschulden an seiner Zah- lungsunfähigkeit. C. - Gegen diesen Entscheid hat Bösch am 8. April den Rekurs an das Bundesgericht eingelegt mit dem Antrage auf Gewährung einer Nachlasstundung und Eröffnung des Pfandnachlassverfahrens. Die Schuldbelreibungs- und Konkurskammer zieht in Erwägung:
1. - Wie das Bundesgericht bereits ausgesprochen hat, ist nach Eröffnung des Konkurses die Gewährung einer Nachlasstundung unzulässig, und zwar auch solange die Frist zur Berufung gegen das Konkurseröffnungs- erkenntnis noch nicht abgelaufen ist (BGE 30 I S. 849 ff Erw. 2, Sep.-Ausg. 7 S. 419 ff. Erw. 2). Mit Recht hat daher die Vorinstanz das Gesuch des Rekurrenten insoweit abgewiesen, als es auf die Gewährung einer Nachlasstundung abzielte. Auch wenn es übrigens einem Schuldner, über den das Konkursgericht erster Instanz den Konkurs eröffnet hat, gelingen sollte, eine Nachlasstundung zu erwirken, so vermöchte dieser Umstand doch nicht zur Gutheissung seiner Berufung gegen das Konkurseröffnungserkenntnis zu führen. Denn und Konkurskammer. N° 17. 61 die Wirkung der Nachlasstundung besteht gemäss Art. 297 SchKG nur darin, dass Betreibungen gegen den Schuldner nicht mehr anJehoben und die bereits angehobenen nicht mehr fortgesetzt werden können; dagegen dürfen die bereits vorgenommenen Betrei- bungshandlungen nicht gestützt auf eine seither bewil- ligte Nachlasstundung nachträglich wieder rückgängig gemacht werden.
2. - Muss es sonach bei der Eröffnung des Konkurses über den Rekurrenten jedenfalls sein Bewenden haben, so erscheint die Einleitung des Pfandnachlassverfahrens d~swegen doch nicht von vorneherein ausgeschlossen, weil es gemäss Art. 2 Abs. 2 HPfNV einen Bestandteil des allgemeinen Nachlassvertragsverfahrens bildet, der Abschluss eines Nachlassvertrages während des Kon- kurses aber durch Art. 317 SchKG ausdrücklich vor- gesehen wird. Auch lässt sich der Zweck, den es erfüllen soll, nach der Konkurseröffnung noch ebenso wohl erreichen wie vorher. Dagegen ergibt eine nähere Prü- fung, dass die Ordnung des Pfandnachlassverfahrens, wie sie in der HPfNV niedergelegt ist. für den Fall, dass über den Gesuchsteller bereits der Konkurs er- öffnet ist. nicht ausreicht, es vielmehr hiefür einer be- sonderen Ordnung bedarf. So kann z. B. nicht wohl angenommen werden, dass die Wohltat des Pfandnach- lassverfahrens nur demjenigen Gemeinschuldner zur Ver- fügung stehen soll, der den für das Verfahren, insbeson- dere die Schätzung zu leistenden Kostenvorschuss mit fremder Hilfe aufzutreiben vermag; doch kann ander- seits von seiner Entnahme aus der Konkursmasse ohne gesetzliche Ermächtigung nicht die Rede sein. Ferner darf es wegen der langen Dauer, welche das Pfandnach- lassverfahren in Anspruch nimmt, dem Gemeinschuld- ner nicht freigestellt sein, dessen Einleitung erst in einem fortgeschrittenen Stadium des Konkursverfahrens zu beantragen; vielmehr erheischen die Interessen der Gläubiger die Bestimmung eines Zeitpunktes in einem
62 Entscheidungen der Schuldbetreibungs. frühen Stadium des Konkursverfahrens, nach welchem der Gemeinschuldner mit dem Gesuch um Einleitung des Pfandnachlassverfahrens ausgeschlossen sein muss. Endlich geht es offenbar auch nicht an, das Konkurs- amt als solches, sofern ihm die Konkursverwaltung übertragen· ist, mit den Funktionen des Sachwalters im Pfandnachlassverfahren zu betrauen, da sich dessen Tätigkeit mit dem Abschluss des Nachlassvertrages bezw. dem Schluss des Konkurses nicht erschöpft, er vielmehr den Nachlassvertrag selbst zu vollziehen hat. Die danach für die sachgemässe Durchführung des Pfandnachlassverfahrens während des Konkurses un- erlässlichen Verfahrensvorschriften im Wege der Recht- sprechung aufzustellen, darf der Richter nicht für sich in Anspruch nehmen.· Alsdann aber erweist sich die Durchführung des Pfandnachlassverfahrens erst nach erfolgter Konkurseröffnung, obwohl sie de lege terenda wünschbar erscheint, auf Grund der Ausgestaltung, di~ es durch die HPfNV erfahren hat, in der Tat als nicht angängig und ist der angefochtene Entscheid schon aus diesem Grunde zu bestätigen. Somit braucht nicht geprüft zu werden, ob die Nachlassbehörde das Gesuch des Rekurrenten a limine abweisen durfte, weil ihm der beigelegte Nachlassvertrag zur Beanstandung An- lass gab, sowie ob sie die Eröffnung des Pfandnachlass- verfahrens wegen Selbstver~chuldens des Rekurrenten an seiner Zahlungsunfähigkeit verweigern durfte, ohne in dieser Beziehung irgendwelche tatsächlichen Fest- stellungen zu machen. Demnach erkennt die Schuldbetr.- und Konkurskammer : Der·Rekurs wird abgewiesen. unu Konkurskammer. N° 18. 63