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ZU BESUCH AN DER GRENZE
Schmuggeln heisst, das bestmögliche Versteck für jedes Ding zu finden – eine höchst kreative Angelegenheit also. Wurden früher Schinken, Reis, Salz, Schuhe, Tabak oder Schiesspulver in die Schweiz gebracht, sind es heute Drogen, Waffen, Fälschungen oder Kulturgüter. So müssen zum Beispiel Teddy- bären, Taucheranzüge, Hot Dogs, Prothesen oder Perücken als Verstecke herhalten. Die Schmuggler lassen sich immer wieder Neues einfallen. Geschmuggelt werden aber nicht nur Waren, sondern auch gefälschte Dokumente. So stellt der Schweizer Zoll jedes Jahr Tausende Reise- pässe, Identitätskarten, Aufenthaltsbewilligungen, Führerscheine oder gar Kontrollschilder sicher. Manch ein Schmuggelversuch hat auch seine komische Seite. So zum Beispiel der chinesische Handy-Schmuggler, der versuchte, mit 94 an den Körper geklebten iPhones die Grenze zu passieren. Natürlich hat es nicht geklappt; er ging als «Handy-Man» in die Schmuggel- Geschichte ein. Anekdoten wie diese gibt es viele. Im Jahr 1972 zum Beispiel schreitet ein Reisender wacker durch den grünen Zolldurch- gang «Nichts zu deklarieren», als die Zöllner auf ihn aufmerksam werden. Aufgefordert, sein Gepäck zu öffnen, kommt eine Originalskizze von Alberto Giacometti zum Vorschein – auf eine Million Schweizer Franken wird der Wert beziffert. IM SCHWEIZER ZOLLMUSEUM
7 > Übers Wasser zum Museum. Die Kursschiffe legen direkt beim Museum sowie 200 Meter weiter in Cantine di Gandria an. Das Schweizer Zollmuseum in Cantine di Gandria liegt am Ufer des Luganersees, umrahmt von üppigem Grün und erreichbar am einfachsten übers Wasser. Die Lage ist spektakulär und es fehlt ihr nicht an Symbolkraft: Von der Terrasse eröffnet sich der Blick weit über den See und zum Monte Brè hinauf, die Landesgrenze jedoch bleibt unsichtbar. Wo beginnt die EU, wo endet die Schweiz?
Reisen Sie ins Museum, das einst ein Schweizer Grenzwachtposten war. Die Aufgaben des Zolls werden auf eindrückliche Art präsentiert: Bekämp- fung der illegalen Migration, der Wirtschafts- kriminalität und des gewerbsmässigen Waren- schmuggels. Die Besucher erhalten einen Einblick in den Arbeitsalltag der Schweizer Grenzwächter und Zöllner – von der Gründung des Bundesstaates 1848 bis heute. Der Besuch an der schweizerisch-italienischen Grenze ist Gesamterlebnis und Horizonterweiterung zugleich – wir heissen Sie herzlich willkommen. MARIA MOSER-MENNA LEITERIN MUSEO DOGANALE CANTINE DI GANDRIA WILLKOMMEN IN CANTINE DI GANDRIA: DIE KURSSCHIFFE AB LUGANO LEGEN DIREKT BEIM MUSEUM AN. 7
ZUM VERWEILEN: AUCH DER GARTEN IST TEIL DER AUSSTELLUNG, ER ZEIGT HISTORISCHE GRENZSSTEINE UND LÄDT ZUM PICKNICKEN EIN. 9
10 11 Das Gebäude des heutigen Zollmuseums wurde 1835 erbaut und diente bis 1921 als Grenzwachtposten. Initiative und Idee, im leerstehenden Zollhaus in Cantine di Gandria ein Museum zum Thema Grenze, Zoll und Schmuggel aufzubauen, geht 1935 auf einen Tessiner Grenzoffizier zurück. 1949 wurde das Museum eröffnet. Die Dauerausstellung im Erdgeschoss zeigt das Leben der Zöllner und ihre Aufgaben von anno dazumal. Sie bildet das Herzstück des Museums und erzählt von der Arbeit und dem Leben der Zöllner. Die oberen Stockwerke widmen sich aktuellen Themen. Hier sind auch die temporären Sonder- ausstellungen beherbergt, welche international Ausstrahlung geniessen. Denn Themen wie natio- nale Identität, Grenzen und Migration sind aktueller denn je. > WWW.ZOLLMUSEUM.CH > SONDERAUSSTELLUNGEN DAS «SCHMUGGLERMUSEUM»: SO WIRD DAS SCHWEIZER ZOLLMUSEUM IM VOLKSMUND NOCH HEUTE GENANNT. 11
12 An der Grenze zu Italien blühte der Schmuggel bis Mitte des 20. Jahrhunderts. Am meisten wurde in den Kriegs- und Nachkriegsjahren geschmuggelt
– vorwiegend knappe und begehrte Waren wie Zigaretten, Zucker, Kaffee, Reis und Salz. Der Posten wurde ab 1856 mit Grenzwächtern be- setzt, welche hier den Schmugglern das Handwerk legten. Weil die Lebensbedingungen für die Familien der Grenzwächter zu hart waren – direkt am Wasser und im Winter war es eisig kalt – wurden hier ab 1921 nur noch ledige Grenzwächter eingesetzt.
Bis heute haftet dem Beruf des Grenzwächters ein Hauch von Abenteuer an. Grenzwächterinnen und Grenzwächter wissen nie, welche Gefahren ihnen an einem Arbeitstag begegnen werden. Allerdings stehen dem Grenzwachtkorps heute ganz andere Hilfsmittel zur Verfügung. > WWW.EZV.ADMIN.CH ≥ > WWW.GWK.CH ANNO DAZUMAL: IM ABGELEGENEN GRENZWACHTPOSTEN WAR DAS LEBEN DER ZÖLLNER VOR ALLEM IM WINTER STRENG. 13
Syrien, Sudan oder Mali: In jedem Augenblick werden Millionen von Menschen gezwungen, ihre Heimat zu verlassen – 51 Millionen sind derzeit auf der Flucht vor Verfolgung, Krieg und Gewalt. In der Schweiz laufen die Fäden des internationalen Flüchtlingsschutzes zusammen. Genauer: am Haupt- sitz des UNO-Flüchtlingshochkommissariats in Genf. Das UNHCR ist damit beauftragt, sich für den Schutz von Flüchtlingen einzusetzen, ihre Versorgung zu koordinieren und dauerhafte Lösungen für sie zu finden. Die Organisation kämpft für die Menschen- rechte von Flüchtlingen, für das Recht auf Asyl und dafür, dass kein Flüchtling zur Rückkehr in ein Land gezwungen wird, wo er oder sie Verfolgung befürchten muss. Seit 1950 unterstützt das UNHCR Menschen dabei, sich ein neues Leben aufzubauen – eine Leistung, die 1954 und 1981 mit dem Friedens- nobelpreis ausgezeichnet wurde. Das Schweizer Zollmuseum stellt sich in Sonder- ausstellungen aktuellen Fragen. > WWW.UNHCR.CH ≥ > WWW.ZOLLMUSEUM.CH > SONDERAUSSTELLUNGEN GRENZEN HEUTE: SONDERAUSSTELLUNGEN SENSIBILISIEREN – ZUM BEISPIEL DARAUF, WAS ES BEDEUTET, FLÜCHTLING ZU SEIN. 15
> Um möglichen Schmuggel am Zoll gezielt zu erkennen, braucht es neben Sachwissen viel Erfahrung. Täglich überqueren tausende Tonnen von Waren die Schweizer Grenze. Der Zoll hat die Aufgabe, die Grenze so zu handhaben, dass sie für die Wirtschaft möglichst wenig spürbar ist und für die Unternehmen in der Schweiz keinen Wettbewerbsnachteil darstellt. Der Zoll und das uniformierte und bewaffnete Grenz- wachtkorps müssen den Grenzübertritt also mög- lichst erleichtern, gleichzeitig aber mit Zollkontrollen dazu beitragen, die Sicherheit und Gesundheit von Konsumenten zu schützen. So zum Beispiel mit Kontrollen von Lebensmitteln und anderen Waren. Gleichzeitig schützen sie den Wirtschaftsstandort Schweiz, indem sie unter anderem gefälschte Pro- dukte aus dem Verkehr ziehen. Der Zoll setzt bei seiner Arbeit nicht auf lückenlose, sondern auf wirksame Kontrollen. Das heisst, er interveniert dort, wo Risikoanalysen darauf hin- deuten, dass etwas nicht stimmen könnte. Dabei arbeitet er eng mit nationalen und internationalen Partnern zusammen. > WWW.EUROPA.ADMIN.CH > SCHENGEN-DUBLIN KOMPLEXE AUFGABEN: ZOLL UND GRENZWACHTKORPS SETZEN SICH FÜR WIRTSCHAFT, SICHERHEIT UND GESUNDHEIT EIN. 17
SCHMUGGEL: ILLEGAL EINGEFÜHRTE WAREN SCHADEN DER SCHWEIZER WIRTSCHAFT. 19
20 21 > Um möglichen Schmuggel am Zoll gezielt zu erkennen, braucht es neben Sachwissen viel Erfahrung. Lebte der stolze Elefant kürzlich noch in den Steppen Botswanas, dient sein Fuss heute als Beistelltisch … Zum globalen Schutz bedrohter Tier- und Pflanzen- arten haben 181 Staaten die Handelskonvention «Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora» (CITES) unter- zeichnet, darunter auch die Schweiz. Mit Kontrollen, Informationen und Aufklärung hilft der Zoll, be- drohte Tiere und Pflanzen zu schützen. Auch die internationale Zusammenarbeit zeigt Wirkung: Heute wächst die Anzahl Elefanten im südlichen Afrika wieder jährlich um sieben Prozent. Jedes Jahr meldet der Zoll dem Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) hunderte von Fällen, bei denen gegen das Arten- schutzabkommen verstossen wird. In einem der grössten Fälle in den letzten Jahren konnte der Schweizer Zoll einem kriminellen Händler die illegale Einfuhr von 600 Objekten aus aller Welt nachweisen. > WWW.CITES.ORG > WWW.BLV.ADMIN.CH (BUNDESAMT FÜR LEBENSMITTEL SICHERHEIT UND VETERINÄRWESEN) ARTENSCHUTZ: BEDROHTE TIER- UND PFLANZENARTEN GILT ES WELTWEIT GEMEINSAM ZU SCHÜTZEN. 21
Der Preis, den der Einzelne für ein Reisesouvenir bezahlt, mag klein sein. Der Profit der Händler für geraubte Kulturgüter ist gross, unbezahlbar jedoch der Schaden, der durch den kulturellen Ausverkauf weltweit entsteht. Kulturgüter stehen für das Selbstverständnis einer Gesellschaft. Werden sie aus ihrem Kontext gerissen, verlieren sie ihren Wert für die bestohlene Kultur und die Wissenschaft. Seit 2005 ist in der Schweiz das Kulturgütertransfer- gesetz (KGTG) in Kraft. Indem es Diebstahl, Plünderungen sowie die illegale Ein- und Ausfuhr von Kulturgütern verhindert, leistet das KGTG einen wichtigen Beitrag zum Erhalt des kulturellen Erbes der Menschheit. Auf Intervention des Zolls können so Fälle überprüft werden, bei denen der Verdacht auf Kulturgüterschmuggel besteht. Im besten Fall werden Strafurteile gefällt und rechts- widrig eingeführte Objekte dem Herkunftsland zurückgegeben. > WWW.BAK.ADMIN.CH (BUNDESAMT FÜR KULTUR) > WWW.ICOM.MUSEUM ≥(ROTE LISTE DER BEDROHTEN KULTURGÜTER) KULTURGÜTERSCHUTZ: DER SCHUTZ DES KULTURELLEN ERBES GEHÖRT ZU DEN WICHTIGSTEN AUFGABEN JEDES STAATES. 23
FÄLSCHUNGEN: DER ZOLL BEKÄMPFT PRODUKTEPIRATERIE UND SCHÜTZT SO DIE WIRTSCHAFT. 25
27 MEHR ALS EIN MUSEUM: CANTINE DI GANDRIA IST AUSFLUGSZIEL FÜR JUNG UND ALT – BESONDERS AUCH FÜR SCHULKLASSEN UND FAMILIEN. Das Schweizer Zollmuseum präsentiert die Aufgaben des Zolls und des Grenzwachtkorps – interaktive Installationen und mehrsprachige Kurzfilme inklusive. Die Ausstellung beschränkt sich jedoch nicht nur auf den ehemaligen Grenzwachtposten. Im Garten, der unmittelbar an den See grenzt, geht die Ausstellung weiter: Historische Grenzsteine aus der ganzen Schweiz sind dort zu sehen. Der Garten des Museums ist perfekt zum Picknicken (keine Feuerstelle) und sympathische Verpflegung gibts in den beiden Grotti Descanso und Teresa im 200 Meter entfernten Cantine di Gandria. Ein Besuch im Museum eignet sich auch für Schul- klassen. Zur Vorbereitung und Vertiefung dient die didaktische Lernwerkstatt «Lara & Tim auf Reisen». > WWW.ZOLLMUSEUM.CH ≥> SCHULKLASSEN > GROTTO TERESA: +41 (0)91 923 58 95 > GROTTO DESCANSO: +41 (0)91 922 80 71 GROTTODESCANSO@GMAIL.COM 27
28 29 UNSICHTBARE LANDESGRENZE: SIE FÜHRT DURCHS WASSER UND HINTER DEM GRENZWACHTPOSTEN DURCH DEN DICHTEN WALD. 29
30 31 Lugano Paradiso San Salvatore Monte Brè Monte Caprino Castagnola Caprino Pugerna Arogno Cantine di Gandria Zollmuseum Gandria Landesgrenze Das Schweizer Zollmuseum befindet sich am linken Ufer des Luganersees in Cantine di Gandria unter- halb des Monte Caprino und gegenüber von Gandria und dem Monte Brè. Es ist am besten mit dem Schiff erreichbar. Mit dem Kursschiff (Giardino / Centrale / Paradiso) ab Lugano nach Cantine di Gandria und von dort 200 Meter Fussweg bis zum Museum. Oder direkt zur Anlegestelle des Museums. Die Fahrt über den See beträgt zirka 25 Minuten. Wanderungen ab Lugano können mit Etappen auf dem Schiff verbunden werden. Empfehlenswert ist der Fussweg am rechten Seeufer von Castagnola bis Gandria und von dort mit dem Schiff zum Zoll- museum. Der Spaziergang dauert zirka 45 Minuten, die Fahrt mit dem Schiff knapp 10 Minuten. Die Wanderung von Arogno über Pugerna und Caprino nach Cantine di Gandria ist anspruchsvoller, dauert zirka 3 Stunden und verlangt gutes Schuhwerk. Er zählt zu den schönsten am Luganersee. Nach starkem Regen ist er allerdings nicht begehbar. > WWW.SBB.CH > WWW.LAKELUGANO.CH (FAHRPLAN SCHIFFE) > WWW.LUGANO-TOURISM.CH ≥(WANDERWEGE) SPEKTAKULÄRE REGION: BLICK VOM MONTE BRÈ AUF DEN LUGANERSEE RICHTUNG CANTINE DI GANDRIA HINUNTER. 31
TÄGLICH ÜBERQUEREN RUND 800 000 PERSONEN, 350’000 FAHRZEUGE UND 20’000 LKWS DIE SCHWEIZER GRENZE. ÜBER 28 000 PFLANZEN- UND 5000 TIERARTEN GELTEN
ALS GEFÄHRDET, ZAHLREICHE SIND VOM AUSSTERBEN BEDROHT. RUND 20 000 PERSONEN BESUCHEN JÄHRLICH DAS MUSEO DOGANALE CANTINE DI GANDRIA. RUND 4500 MITARBEITERINNEN UND MITARBEITER DER ZOLLVERWALTUNG SIND HEUTE IM EINSATZ. DIE SCHWEIZER GRENZE HAT EINE LÄNGE VON 1900 KILOMETERN. DER ZOLL VOLLZIEHT 200 RECHTSERLASSE, DIE NICHT DIREKT MIT DEM ZOLL ZU TUN HABEN, SONDERN MIT KULTUR, WIRTSCHAFT ODER SICHERHEIT. BEINAHE 50% DER ZOLLEINNAHMEN STAMMEN AUS DER MEHRWERTSTEUER, NUR KNAPP 5% AUS EINFUHRZÖLLEN. IM JAHR 2015 KAM ES ZU MEHR ALS 214 STRAFVERFAHREN WEGEN ILLEGALEN KULTURGÜTERHANDELS. 25 MINUTEN DAUERT DIE FAHRT MIT DEM KURSSCHIFF VON LUGANO BIS CANTINE DI GANDRIA. JEDES JAHR FLIESSEN RUND 21 MILLIARDEN FRANKEN ÜBER DEN ZOLL AN DEN BUND. DER EINTRITT INS MUSEUM KOSTET 3 SCHWEIZER FRANKEN. Für Wirtschaft, Sicherheit und Gesundheit Schweizer Zoll und Grenzwachtkorps sind rund um die Uhr im Einsatz für die Wirtschaft sowie die Sicherheit und Gesundheit der Bürgerinnen und Bürger. Die Aufgaben sind extrem vielfältig. Bei ihren Kontrollen vollziehen sie über 200 Gesetze, Verordnungen und andere Rechtserlasse: Zoll-, Waffen-, Betäubungs- mittel-, Lebensmittel-, Ausländer-, Kulturgüter-, Markenrecht, Artschutzabkommen und Edelmetallkontrolle, um nur einige zu nennen. Impressum © Schweizerisches Zollmuseum Cantine di Gandria Design: Sonja Studer Text: Sonja Studer, Schwarzschreibt GmbH Fotos: Yannick Andrea, Mark Nolan, Archiv Zollmuseum, Turistico del Luganese 04.2017 3000 D3042-17/860400032
35 SCHWEIZER ZOLLMUSEUM WÄHREND DER SAISON TÄGLICH VON APRIL BIS MITTE OKTOBER VON 13.30 BIS 17.30 UHR GEÖFFNET. EINTRITT CHF 3.–/1.50, EINTRITT FREI BIS 6 JAHRE WWW.ZOLLMUSEUM.CH
KONTAKT: EIDGENÖSSISCHE ZOLLVERWALTUNG EZV KOMMUNIKATION/MEDIEN MONBIJOUSTRASSE 40 3003 BERN ZOLLMUSEUM@EZV.ADMIN.CH WWW.ZOLLMUSEUM.CH