V. Jugendstrafrecht12 Art. 25 Abs. 2 lit. b JStG, Art. 156 Ziff. 3 i.V.m. 140 Ziff. 3 Abs. 3 StGBDer erhöhte Strafrahmen von Art. 25 Abs. 2 lit. b JStG findet aufgrunddes Verweises in Art. 156 Ziff. 3 StGB auf die Bestrafung nach Art. 140StGB auch auf die räuberische Erpressung gemäss Art. 156 Ziff....
Erwägungen (1 Absätze)
E. 5.3.1 Der Strafrahmen eines Freiheitsentzuges reicht bei Jugendlichen
über 15 Jahren von einem Tag bis zu einem Jahr (Art. 25 Abs. 1
JStG), gemäss Art. 25 Abs. 2 lit. b JStG jedoch bis zu vier Jahren, so-
fern der Jugendliche zum Zeitpunkt der Tat über 16 Jahre alt war,
besonders skrupellos gehandelt hat und sich unter anderem des Rau-
bes gemäss Art. 140 Ziff. 3 StGB strafbar gemacht hat.
Nach dem Gesagten ist der Angeklagte nicht wegen Raubes,
sondern wegen räuberischer Erpressung gemäss Art. 156 Ziff. 3
StGB schuldig zu sprechen. Die Strafe für räuberische Erpressung
gemäss Art. 156 Ziff. 3 StGB richtet sich nach jener des Raubes ge-
mäss Art. 140 StGB, was auch die Qualifikationen von Art. 140
Ziff. 2 und 3 StGB miteinschliesst. Der Gesetzgeber wollte mit die-
ser Gleichsetzung der Strafen bei beiden Tatbeständen erreichen,
dass räuberische Erpressung aufgrund ihres gleichen Unrechtsgehalts
mit der gleichen Härte bestraft wird wie Raub. Begeht somit ein dem
2011
Obergericht
50
Erwachsenenstrafrecht unterstellter Angeklagter eine räuberische
Erpressung und erfüllt er eine Qualifikationen von Art. 140 Ziff. 2-4
StGB, gilt für ihn der erweiterte Strafrahmen, wie wenn er einen
Raub begangen hätte. Im Jugendstrafrecht kann nichts anderes gel-
ten: Aufgrund des Verweises von Art. 156 Ziff. 3 StGB auf die Be-
strafung nach Art. 140 StGB inklusive der erhöhten Strafrahmen für
die qualifizierte Begehung ist der auf vier Jahre erhöhte Strafrahmen
von Art. 25 Abs. 2 lit. b JStG auch auf eine räuberische Erpressung
anzuwenden, sofern der Täter die Tat in qualifizierter Weise begeht.
Es wäre nicht einzusehen und würde dem Willen des Gesetzgebers,
Taten nach den beiden Tatbeständen aufgrund ihres gleichen Un-
rechtsgehalts mit der gleichen Härte zu bestrafen, widersprechen,
wenn für dieselbe Tat aufgrund der rechtlichen Qualifikation als räu-
berische Erpressung anstatt als Raub ein Strafrahmen von einem Tag
bis zu einem Jahr anstatt bis zu vier Jahren gelten würde. Daran än-
dert auch der Umstand nichts, dass die Liste der in Art. 25 Abs. 2
lit. b JStG genannten Tatbestände eine abschliessende ist und die Be-
stimmung restriktiv gehandhabt werden soll. Die Anwendung von
Art. 25 Abs. 2 lit. b JStG wird hierdurch nicht um den Tatbestand der
Erpressung gemäss Art. 156 StGB ergänzt, sondern er findet auf-
grund des Verweises in Art. 156 Ziff. 3 auf die Bestrafung nach
Art. 140 Ziff. 3 StGB Anwendung.
Der erhöhte Strafrahmen von Art. 25 Abs. 2 lit. b JStG ist somit
auch auf die mit besonderer Skrupellosigkeit begangene besonders
gefährliche räuberische Erpressung gemäss Art. 156 Ziff. 3 i.V.m.
Art. 140 Ziff. 3 Abs. 3 StGB anwendbar.
Volltext (verifizierbarer Originaltext)
Aargau Obergericht/Handelsgericht 28.04.2011 AGVE 2011 12 Argovie Obergericht/Handelsgericht 28.04.2011 AGVE 2011 12 Argovia Obergericht/Handelsgericht 28.04.2011 AGVE 2011 12
V. Jugendstrafrecht12 Art. 25 Abs. 2 lit. b JStG, Art. 156 Ziff. 3 i.V.m. 140 Ziff. 3 Abs. 3 StGBDer erhöhte Strafrahmen von Art. 25 Abs. 2 lit. b JStG findet aufgrunddes Verweises in Art. 156 Ziff. 3 StGB auf die Bestrafung nach Art. 140StGB auch auf die räuberische Erpressung gemäss Art. 156 Ziff....
AGVE - Lawsearch Cache - AGVE 2011 2 S. 49 2011 Jugendstrafrecht 49 V. Jugendstrafrecht 12 Art. 25 Abs. 2 lit. b JStG, Art. 156 Ziff. 3 i.V.m. 140 Ziff. 3 Abs. 3 StGB Der erhöhte Strafrahmen von Art. 25 Abs. 2 lit. b JStG findet aufgrund des Verweises in Art. 156 Ziff. 3 StGB auf die Bestrafung nach Art. 140 StGB auch auf die räuberische Erpressung gemäss Art. 156 Ziff. 3 i.V.m. Art. 140 Ziff. 3 StGB Anwendung, sofern der Jugendliche zur Zeit der Tat das 16. Altersjahr vollendet hat und die Tat mit besonderer Skrupel- losigkeit begangen hat. Aus dem Entscheid des Obergerichts, Jugendstrafkammer, vom 28. April 2011 i.S. Jugendanwaltschaft des Kantons Aargau gegen M.H. (SJU.2010.1). Aus den Erwägungen 5.3. 5.3.1. Der Strafrahmen eines Freiheitsentzuges reicht bei Jugendlichen über 15 Jahren von einem Tag bis zu einem Jahr (Art. 25 Abs. 1 JStG), gemäss Art. 25 Abs. 2 lit. b JStG jedoch bis zu vier Jahren, so- fern der Jugendliche zum Zeitpunkt der Tat über 16 Jahre alt war, besonders skrupellos gehandelt hat und sich unter anderem des Rau- bes gemäss Art. 140 Ziff. 3 StGB strafbar gemacht hat. Nach dem Gesagten ist der Angeklagte nicht wegen Raubes, sondern wegen räuberischer Erpressung gemäss Art. 156 Ziff. 3 StGB schuldig zu sprechen. Die Strafe für räuberische Erpressung gemäss Art. 156 Ziff. 3 StGB richtet sich nach jener des Raubes ge- mäss Art. 140 StGB, was auch die Qualifikationen von Art. 140 Ziff. 2 und 3 StGB miteinschliesst. Der Gesetzgeber wollte mit die- ser Gleichsetzung der Strafen bei beiden Tatbeständen erreichen, dass räuberische Erpressung aufgrund ihres gleichen Unrechtsgehalts mit der gleichen Härte bestraft wird wie Raub. Begeht somit ein dem 2011 Obergericht 50 Erwachsenenstrafrecht unterstellter Angeklagter eine räuberische Erpressung und erfüllt er eine Qualifikationen von Art. 140 Ziff. 2-4 StGB, gilt für ihn der erweiterte Strafrahmen, wie wenn er einen Raub begangen hätte. Im Jugendstrafrecht kann nichts anderes gel- ten: Aufgrund des Verweises von Art. 156 Ziff. 3 StGB auf die Be- strafung nach Art. 140 StGB inklusive der erhöhten Strafrahmen für die qualifizierte Begehung ist der auf vier Jahre erhöhte Strafrahmen von Art. 25 Abs. 2 lit. b JStG auch auf eine räuberische Erpressung anzuwenden, sofern der Täter die Tat in qualifizierter Weise begeht. Es wäre nicht einzusehen und würde dem Willen des Gesetzgebers, Taten nach den beiden Tatbeständen aufgrund ihres gleichen Un- rechtsgehalts mit der gleichen Härte zu bestrafen, widersprechen, wenn für dieselbe Tat aufgrund der rechtlichen Qualifikation als räu- berische Erpressung anstatt als Raub ein Strafrahmen von einem Tag bis zu einem Jahr anstatt bis zu vier Jahren gelten würde. Daran än- dert auch der Umstand nichts, dass die Liste der in Art. 25 Abs. 2 lit. b JStG genannten Tatbestände eine abschliessende ist und die Be- stimmung restriktiv gehandhabt werden soll. Die Anwendung von Art. 25 Abs. 2 lit. b JStG wird hierdurch nicht um den Tatbestand der Erpressung gemäss Art. 156 StGB ergänzt, sondern er findet auf- grund des Verweises in Art. 156 Ziff. 3 auf die Bestrafung nach Art. 140 Ziff. 3 StGB Anwendung. Der erhöhte Strafrahmen von Art. 25 Abs. 2 lit. b JStG ist somit auch auf die mit besonderer Skrupellosigkeit begangene besonders gefährliche räuberische Erpressung gemäss Art. 156 Ziff. 3 i.V.m. Art. 140 Ziff. 3 Abs. 3 StGB anwendbar.